ANNA GIORNALISTA

06.01.2015
Stil

Auf Pulverschnee ins neue Jahr

Auf einem Blog, den ich regelmäßig lese, blinkt mich seit einigen Tagen eine Werbung von Net-A-Porter an: "Jetzt eingetroffen: SKI-CHIC". Auf dem Bild steht eine Frau in sonniger Alpenlandschaft, sie trägt eine schwarz-weiße Skijacke von LaCroix und eine sehr schicke Skibrille über ihren langen, offenen Haaren. Ich habe sie mit den Leuten verglichen, die mir neulich auf der Piste begegnet sind und überlegt: Wie schick ist Skifahren heute eigentlich noch?

Wir hatten in diesen Winterferien das Glück, von meinen Eltern in eine Ferienwohnung nach Österreich eingeladen worden zu sein. Ohne Betreuung für unsere zwei kleinen Kinder wäre es sonst etwas schwierig mit dem Skifahren. Der Wintereinbruch kam für uns genau pünktlich, vor dem Haus war die Landschaft ganz romantisch verschneit und auf den Skipisten gab es tollen Pulverschnee.

Ich habe das Skifahren (also Abfahrts-Ski) schon ziemlich früh gelernt, ich glaube mit knapp drei Jahren bin ich das erste Mal auf Plastikskiern über den Schnee gerutscht, mit etwa fünf war ich das erste Mal in der Skischule. Zwar bin ich seitdem nicht regelmäßig gefahren, teilweise lagen jahrelange Pausen dazwischen. Ich fühle mich auf Skiern aber irgendwie heimisch, auch wenn ich kein besonderer Profi bin.

Nicht so sicher, aber stilsicher: Klein-Anna 1985 mit rosa Skianzug, Sonnenbrille und Plastikskiern

Als Kind habe ich nie darüber nachgedacht, ob Skifahren ein trendiger Sport ist. Es war eine Sportart wie andere auch, oder vielleicht eine, die mehr Spaß macht als andere. Denn Skifahren besteht ja zu einem großen Teil aus einem umwerfenden Naturerlebnis: Die kristallklare Luft, das wunderbare Panorama mit den weißen, glitzernden Bergspitzen rundherum (zumindest bei gutem Wetter), die Höhensonne, die jedem Vitamin-D-Mangel zu schaffen macht, der Wind, der einem beim rasanten Abstieg um die Ohren pfeift, diese unbeschreibliche innere Freiheit, wenn man dem Tal entgegen saust. Und überhaupt dieses Gefühl, wenn sich alle weißen, glitzernden Abhänge und Pisten vor einem erstrecken.

Das Skifahren hat mein Vater in unsere Familie mitgebracht und ich glaube, dass es für seine Eltern in den 60er und 70er Jahren tatsächlich noch so etwas wie ein Statussymbol war. Dazu gehörte dann auch das entsprechende Skifahrer-Aussehen, ein schicker Skianzug, Sonnenbrille und braun gebrannte Haut. Wenn mein Vater Ski fährt, dann macht er ausschließlich elegante Skischwünge, und wenn eine Piste ihm diese Schwünge nicht erlaubt, befährt er sie erst gar nicht.

Heutzutage, so hatte ich besonders jetzt im Urlaub den Eindruck, sind die Skifahrer sehr viel bodenständiger geworden. Sie fahren nicht mehr elegant, sondern rasant, sie sind bedacht auf ihr persönliches Sporterlebnis, nicht auf die Pflege einer sportlichen Kultur. Mit Skibrille und Gesichtsmaske wird man nicht besonders braun, und die neue Helmpflicht, die spätestens seit dem schweren Unfall von Michael Schuhmacher tatsächlich oder unausgesprochen auf den Pisten herrscht, zeigt, dass Skikleidung vor allem funktionell sein muss. Ich habe überall kunterbunte Jacken und Helme, aber kaum einen schicken Skianzug gesehen. Man kann beklagen, dass die Kultur des Abfahrts-Ski an Stil verloren hat. Mann muss sich aber auch freuen, dass die Sicherheit heute einen so großen Stellenwert einnimmt. Die Frau auf dem Werbeplakat (übrigens hier zu sehen) bedient ein schönes, aber eher herkömmliches Skifahrer-Image, das in der Realität kaum noch zu finden ist.

Deshalb hat der Abfahrts-Ski auch Konkurrenz bekommen: Wo es mehr um das Erlebnis als um die Ästhetik geht, können benachbarte Sportarten vielleicht mehr bieten (ich habe es noch nicht ausprobiert): Touren-Skifahren mit Aufstiegen und Abfahrten abseits aller Pisten oder Schneeschuhwanderungen versprechen ein noch besseres Naturerlebnis. Weil man dafür keine Pisten oder Lifte braucht, gelten diese Sportarten auch als umweltfreundlicher - dem modernen Menschen, der sich vegan ernährt und auf Plastiktüten verzichtet, dürften sie also sehr viel näher liegen. Wer hingegen den Abfahrts-Ski liebt, fährt aus Spaß und Überzeugung. Und er trägt dabei, was ihm gefällt oder praktisch erscheint. Ein Statussymbol ist dieser Sport aber längst nicht mehr.

Dennoch gehöre auch ich zu denen, die das Skifahren noch in seinen Bann zieht. Mit einem Skianzug von LaCroix würde es vielleicht noch mehr Spaß machen, aber auch so hat mich diese Woche in den Bergen erfrischt und aufgetankt. Jetzt starte ich voller Tatendrang ins neue Jahr. Hier ein paar Bildeindrücke:

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Kunterbuntes Warten am Lift
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Selfie auf der Piste (nicht ganz einfach)
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Masken, Helme, Skibrillen - Sicherheit und Funktionalität sind wichtiger denn je