ANNA GIORNALISTA

26.07.2016
DIY

Bauernkaro

Man kann bei Google ja tatsächlich nicht alles recherchieren. Zum Beispiel, wie nochmal der Name dieses einen Philosophen lautet, dessen Texte wir an der Uni im Germanistik-Seminar vor elf Jahren gelesen haben (haha!). Jedenfalls kann ich mich gut daran erinnern, dass eine der Aussagen dieses Philosophen war, dass Kunst nie etwas Aktuelles aufgreift, sondern immer nur das, was eigentlich schon vorbei ist. Und das trifft auf die Mode momentan sehr gut zu.

Der Bauernkaro-Trend ist nur einer von vielen, bei dem Elemente aus der Trachtenmode oder die einer anderen lokalen Kultur aufgegriffen und in neue Prêt-à-Porter-Stücke verwandelt werden. Ich habe mir jetzt auch so ein Top aus Bauernkaro genäht. Allerdings sind die Karos so klein, dass das Top von weitem eher rosa aussieht. Für große Karos (zumindest in der Kombination rot-weiß) fehlt mir noch ein bisschen der Mut. Dafür ist mir die Trachtenmode dann vielleicht noch zu aktuell. Wir haben auf unserer Rückreise von Korsika einen kleinen Zwischenstop auf einem ziemlich abgelegenen norditalienischen Bauernhof eingelegt. Und da habe ich mich dann schon gefragt, ob die in Rock und Schürze gekleidete Bauersfrau mein Top als total daneben (weil Tischdeckenmuster) ansieht, oder ob sie es als Modetrend erkennt.

Fakt ist, dass es von diesen urtümlichen Bauersfrauen nur noch sehr wenige gibt. Ebenso von den Leuten, die Trachtenmode tragen, weil sie sie als normale Kleidung ansehen. Trachten sind heute für die meisten Menschen eher sowas wie eine Erinnerung, ein Zitat oder eine Verkleidung. Vielleicht hat genau dieses Entschwinden der Trachtenmode verschiedene Designer dazu animiert, Trachtenelemente in ihre Kollektionen aufzunehmen. Als würden sie diese dadurch retten oder wiederbeleben wollen. Da wären wir dann wieder bei dem Philosophen.

Neben dem Bauernkaro sind weitere Trachtenelemente, die man in der aktuellen Mode sieht, Pompoms, Fransen oder Quasten. Ursprünglich findet man Pompons zum Beispiel auf den Hüten der Schwarzwaldtracht. Moderne Stücke mit Pompons fertigt das Label Alamedaturquesa, aber auch Dolce&Gabbana haben in den letzten Kollektionen einige Taschen und Schuhe mit entsprechenden Verzierungen gezeigt, zum Beispiel diese. Und sieht dieses Oberteil von Altuzarra nicht aus, als hätte man es direkt aus Peru importiert?

An einem Projekt mit Pompoms arbeite ich übrigens gerade und hoffe, es bald hier zeigen zu können. Jetzt aber erstmal zu meinem Top: Den Stoff habe ich nicht in einem Trachtenmode-Geschäft gekauft, sondern bei Bassetti Tessuti in Rom. Dort war ich im letzten Frühjahr und habe mehrere hochwertige Baumwollstoffe mitgenommen. Der Schnitt ist wieder aus der aktuellen Burda Easy. Im Unterschied zum Top aus dem letzten Post habe ich hier etwas schmalere Gummibänder eingezogen und die Ärmel verkürzt. Fotografiert haben wir auf einer kleinen Anhöhe an einem Strand an der korsischen Ostküste.

Top: DIY, nach einem leicht abgewandelten Schnitt aus der aktuellen Burda Easy

Shorts: Levis

Sandalen: Tamaris

Tasche: mint&berry

Dieser Beitrag ist verlinkt beim Me Made Mittwoch, übrigens dem letzten MMM vor der Sommerpause!